Wir sind die Deppen – über Produktionsverlagerung von Tirol nach Serbien

(14. Mai) Heute hat mir jemand von den geplanten Kündigungen bei der Firma Swarovksi berichtet – angeblich müßten bis Ende des Jahres bis zu 800 Mitarbeiter gehen, die Produktionshalle in Wattens würden geschliffen, das darunter liegende verseuchte Erdreich würde aufgearbeitet und dann würde der Konzern künftig in Serbien produzieren. Dank EU-Fördermitteln für strukturschwache Regionen kann der Konzern künftig seine Produktion kostengünstig ins Ausland verlagern.
Das hat mich natürlich beschäftigt und ich hab mich mal an die Recherche gemacht. Ein Kommentar von Irene Labner von der Piratenpartei, die auch für EUROPA ANDERS kandidiert.

Wir zahlen Steuergelder an die EU, die ihrerseits wieder Fördermittel an EU-Länder und Beitrittskandidatenländer vergibt. Ich dachte Sinn der Sache ist es, daß sich dort in diesen strukturschwachen Regionen die dort einheimischen Unternehmen aufbauen können, nicht daß etablierte Konzerne aus Österreich in diese Regionen abwandern und bei uns Hunderte und Tausende arbeitsloser Menschen hinterlassen, die wir dann wiederum aus Steuergeldern finanzieren und in den Arbeitsmarkt integrieren müssen.

Meine Recherche zum Thema hat übrigens einige interessante Fakten zutage gebracht.

TT, 20.03.2012 – Swarovski baut Werk in Serbien
Durch das globale Produktionsnetzwerk werde man mehr Stabilität zusammenbringen. In der Zeit in der man in Subotica 15 Millionen investiere, werde man in der gleichen Zeit mehr als 100 Millionen investieren um den Standort Watten zu modernisieren.
http://tirol.orf.at/news/stories/2525730/

Ich vermute die tolle Investition von angeblich 100 Millionen hat Swarovski offenbar in die Erweiterung seiner Kristallwelten gesteckt, allerdings nur 34,5 Millionen:

Die Swarovski Kristallwelten, eine der erfolgreichsten Sehenswürdigkeiten Österreichs,
werden ab Oktober mit einer Gesamtinvestitionssumme von 34 MillionenEuro deutlich erweitert.

Pressemitteilung Swarovski 04.10.2013

Der Swarowski Betriebsrat in der Betriebsratszeitung Anfang 2012:

https://www.yumpu.com/de/document/view/10067894/swarovski-nun-auch-in-serbien-swarovski-betriebsrate-tirol

Mit finanzieller Unterstützung arbeitet die Firma Swarovski einen „Sozialplan“ für gekündigte Mitarbeiter aus, 11.06.2013:
Die Firma, der Betriebsrat, die Arbeiterkammer und das Land Tirol haben den Sozialplan ausverhandelt. Für jeden gekündigten Mitarbeiter würden im Rahmen einer eigenen Arbeitsstiftung bis zu 11.000 Euro für die Aus- und Weiterbildung zur Verfügung stehen. 9.500 Euro pro Betroffenem zahle Swarovski, 1.000 Euro das Land, 500 Euro der Betriebsrat, erklärt AK-Präsident Erwin Zangerl. Er sagt: „Swarovski hat die Verantwortung für die gekündigten Mitarbeiter wahrgenommen.“

Der Standard, Jänner 2014:
Der Tiroler Glaskristallhersteller Swarovski mit Stammsitz in Wattens lagert einen Teil seiner Produktion nach Serbien aus. Die im ORF Tirol genannte Zahl von 200 Arbeitsplätzen – die über natürliche Fluktuation „abgefedert“ werden sollen – wird vom Unternehmen nicht bestägt. Das Werk in Serbien werde in nächster Zeit in Betrieb genommen, hieß es. 
http://derstandard.at/1389857849615/Swarovski-verlagert-Teil-der-Produktion-ins-Ausland

Laut Neuigkeiten von subotica.com vom 14.01.2014 soll Swarowski angeblich innerhalb der ersten 3 Jahre 595 Arbeiter im neuen Werk beschäftigen. Bürgermeister Vucinic meinte am 07.03.2014, daß das Swarovskiwerk in Subotica eines der größten Zentren und Werke des Konzerns in Europa darstelle.
Subotica selbst wirbt als Freihandelszone mit der niedrigen Mehrwerts-und Körperschaftsteuer. Das heißt konkret:

Unternehmen, die mehr als 800 Mio. RSD (ca. 7 Mio. EUR) in Anlagevermögen investieren und 200 neue Arbeitnehmer unbefristet anstellen, sind zehn Jahre steuerbefreit. Gewerbliche Investitionen sind für fünf Jahre steuerbefreit, ebenso Investitionen in unterentwickelte Regionen. Verluste können über fünf Jahre vorgetragen werden.

https://www.ksv.at/sites/default/files/assets/documents/927leitfadenserbien.pdf (S.13)

Und als EU-Beitrittskandidat kann Serbien auch schon Ansuchen für EU-Fördermittel über das IPA-Programm beantragen, z.B. Fördergelder für strukturschwache Regionen.
Suboticainvest schreibt:
Ausländische Firmen haben im Zuge von Privatisierungen und Greenfield Investitionen den industriellen Entwicklungsprozess Suboticas in den letzten jahren maßgeblich beschleunigt und geprägt.
In den letzten fünf Jahren haben folgende große ausländische Unternehmen eine produzierende Geschäftstätigkeit in Subotica aufgenommen:

  • ATB (A),
  • Loher by Siemens Group (D)
  • AEG (I).

Oha, das macht offenbar nicht nur Swarovski, sondern auch andere mitteleuropäische Traditionsunternehmen…und mich wundert nun auch nicht mehr, warum sich grade die FPÖ für die EU-Aufnahme Serbiens starkmacht. Das scheint ja das angehende Wirtschaftswunderland für österreichische Betriebe zu sein…

Und mit all diesen Infos mag man nun Puzzle-Spielen…das zusammengesetzte Puzzle ist freilich ein Trauerspiel für Tirol und Österreich.

Autorin: Irene L.